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… hat drei Aufgaben: Einmal ist sie als die interaktive Ergänzung zu meinem inzwischen abgeschlossenen Dissertationsprojekt „Hitzig und Berlin. Zur Organisation von Literatur (1800-1840)“ gedacht. Dann stellt sie mein aktuelles, an der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedeltes Forschungsprojekt „Briefedition Julius Eduard Hitzig“ vor. Drittens gibt sie Auskunft über die Aktivitäten der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe "Berliner Intellektuelle 1800-1830".

Mittwoch, 23. Februar 2011

Julius Eduard Hitzig: Biographisches

Der folgende biographische Abriss basiert auf einem von Sebastian Panwitz erstellten Lebenslauf Julius Eduard Hitzigs, der von mir nach genauer Quellenanalyse überarbeitet und erweitert worden ist. Er findet sich auch im Datenbankportal der Berliner Klassik.

1780
Hitzig wurde als Isaak Elias Itzig am 26. März 1780 in Berlin geboren. Sein Vater Elias Daniel Itzig (1755-1818) war jüdischer Lederfabrikant und Stadtrat in Potsdam, sein Großvater Daniel Itzig (1723-1799) der Bankier und Oberlandesälteste der sämtlichen Judenschaften der Preußischen Staaten, der 1791 ein Naturalisationspatent verliehen bekam, welches ihm und allen seinen Nachkommen die Rechte christlicher Staatsangehöriger verlieh. Isaak Elias' Mutter hieß Marianne, geb. Herz Leffmann (1758-1827).
Itzig besuchte 1790-1795 das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. Er absolvierte im Anschluss daran eine Handelslehre und studierte ab 1796 Rechtswissenschaften erst in Halle, ab 1798 in Erlangen. In Halle lernte er Clemens Brentano, in Erlangen Friedrich Karl Julius Schütz und Ludwig Wieland kennen. Nach dem Tod seines Großvaters 1799 trat der junge Jurist Itzig in Wittenberg zum Luthertum über und nahm die Vornamen Julius Eduard an. Seinen Nachnamen Itzig änderte er erst in seiner Berliner Zeit, ab ca. 1808 nannte er sich Hitzig. Durch die Konversion konnte er in den Staatsdienst eintreten, den er als Auskultator [bis 1869 Titel der preußischen Gerichtsreferendare] in Warschau begann; Kontakt zu Johann Jakob Mnioch und Zacharias Werner.

1792
wurde Hitzig Mitglied der „Gesellschaft der Freunde“, aus der er erst im Jahr 1835 aus gesundheitlichen Gründen austrat.

1801
folgte das Referendariat am Berliner Kammergericht. In der preußischen Hauptstadt schloss er Freundschaft mit den Romantikern Varnhagen v. Ense, Chamisso, Wilhelm Neumann, Ferdinand Koreff, Franz Theremin, Ludwig Robert und Fouqué, mit denen er gemeinsam den „Nordsternbund“, eine Literatenvereinigung, gründete und den Grünen Musenalmanach herausgab, zu dem er Übersetzungen aus dem Spanischen, Englischen, Französischen, Italienischen und Lateinischen beisteuerte.

1804
heiratete Itzig in Berlin Johanna Bartenstein, geschiedene Meyer (1782-1814). Der Ehe entstammte unter anderem der spätere Architekt und Erbauer der Berliner Börse, Georg Heinrich Friedrich Hitzig (1811-1881). Im selben Jahr folgte die Berufung als Regierungsassessor nach Warschau, dort Kontakt zu E.T.A. Hoffmann.

1807
wurde nach der preußischen Niederlage gegen Napoleon und dem Frieden von Thorn das formell eigenständige Großherzogtum Warschau gegründet. Itzig musste aus dem Amt scheiden, kehrte mit Frau und Kindern zu seinen Eltern nach Potsdam zurück und arbeitete als Übersetzer. Er assoziierte sich mit Andreas Georg Reimers ‚Realschulbuchhandlung’ und siedelte im Herbst 1807 nach Berlin über, wo er bei Reimer eine kurze Buchhändlerlehre durchlief und 1808 eine eigene Sortimentsbuchhandlung und einen Verlag begründete, in dem unter anderem zeitweise Heinrich von Kleists Berliner Abendblätter, August von Kotzebues Russisch-Deutsches Volks-Blatt, Madame de Staëls De l’Allemagne (dessen teilweise Übersetzung Hitzig übernahm) und August Wilhelm Schlegels Spanisches Theater erschienen.

1811
wurde Hitzig Vorstandsmitglied (Assessor) der „Gesellschaft der Freunde“.

1814
Nach dem Tod seiner Frau Johanna 1814 verkaufte Hitzig seine Sortimentsbuchhandlung an Ferdinand Dümmler, den Verlag an Andreas Georg Reimer, Dümmlers Schwager, und trat wieder in den preußischen Staatsdienst ein. Es erfolgte die Anstellung zum Assessor ‚cum voto consultivo’ am Berliner Kammergericht. Zusammen mit E.T.A. Hoffmann gründete Hitzig den Seraphinenorden, dem unter anderem Adelbert von Chamisso und Karl Wilhelm Salice-Contessa angehörten und der bis 1816 bestand.

1815
wurde Hitzig zum Kriminalrat bei dem Kriminal-Senat des Kammergerichts und zum Pupillenrat bei dem Kurmärkischen Pupillen-Collegio ernannt.

1818
begründete Hitzig die sog. „Serapionsabende“ als Wiederaufnahme der Seraphinen-Zusammenkünfte, auf die E.T.A. Hoffmanns Erzählung Serapionsbrüder zurückgeht. Zu den Mitgliedern zählten neben Hitzig und E.T.A Hoffmann, Friedrich de la Motte-Fouqué, Adelbert von Chamisso, Karl Wilhelm Salice-Contessa und David Ferdinand Koreff.

1823
verfasste Hitzig die Biographien Zacharias Werners (Lebens-Abriß Friedrich Ludwig Zacharias Werners. Beilage zu der dritten Ausgabe der Söhne des Thal's; Mit Werners Bildniss, von dem Herausgeber von Hoffmanns Leben und Nachlass, Berlin 1823) und E.T.A. Hoffmanns (Aus Hoffmann’s Leben und Nachlass, herausgegeben von dem Verfasser des Lebens-Abrißes Friedrich Ludwig Zacharias Werners, 2 Teile, Berlin 1823).
1824
gründete Hitzig durch einen Zeitungsaufruf in der Haude-Spenerschen Zeitung die literarische „Mittwochsgesellschaft“ zu Ehren Goethes, die bis in das Jahr 1856 bestand und die durch eigene Publikationen in Erscheinung trat. Mitglieder der Mittwochsgesellschaft waren unter anderem Chamisso, Neumann, Fouqué, Streckfuß, Raupach, Eichendorff, Holtei, Uechtritz, Häring, Simrock, Varnhagen, Gaudy.


1825-33
gab Hitzig die Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen. Mit Genehmigung und Unterstützung des Königl. Justizministerii aus amtlichen Quellen hg. von J. E. H., Königl. Preußischem Criminal-Rath im Criminalsenate des Kammer-Gerichts zu Berlin usw. bei Ferdinand Dümmler, Berlin heraus.

1826
gab Hitzig das Schriftstellerverzeichnis Gelehrtes Berlin im Jahre 1825 bei Ferdinand Dümmler, Berlin heraus. Hitzig war am Kammergericht in die Demagogenverfolgung involviert und leitete die Abschlussuntersuchung gegen den „Bund der Jungen“.

1827
wurde Hitzig zum Direktor des Inquisitionsrats am Kammergericht ernannt und gab die Annalen der deutschen und ausländischen Criminalrechtsprechung bei Ferdinand Dümmler, Berlin (später übernommen von W. S. Demme und Karl S. E. Kluge, dann: Hermann Th. Schletter - bis 1853) heraus.

1828-1837
gab Hitzig die Annalen für preußische und ausländische Strafrechtspflege, 17 Bde, heraus.

1829
An Goethes Geburtstag, dem 28.08.1829, rief Hitzig die „Gesellschaft für ausländische Literatur zu Berlin“ ins Leben. Sie sollte neben der äußerst erfolgreich in Berlin agierenden "Mittwochsgesellschaft", die sich allein mit deutscher Literatur beschäftigte, die ausländische Literatur in den Blick nehmen.


1829-1830
übernahm er die Herausgabe der Allgemeine Justiz-, Cameral- und Polizey-Fama, die zuvor von 1801 bis 1827 von Theodor Hartleben bei Cotta herausgegeben worden war.

1832
wurde Hitzig von der Universität Tübingen der juristische Doktortitel h.c. verliehen. In Berlin wurde er zum Direktionsmitglied des Hauptvereins für geistliche Erbauungsschriften und 1833 zum Direktionsmitglied der Haupt-Bibel-Gesellschaft ernannt. Im selben Jahr wurde ihm der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen.

1834
erhielt Hitzig durch den König die große goldene Medaille „Für Kunst und Wissenschaft“.

1835
Nach Erblindung auf einem Auge erbat Hitzig die Entlassung aus dem Staatsdienst und erhielt für seine Verdienste den Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife.

1836-1839
gab Hitzig Adalbert von Chamisso’s Werke bei Weidmann, Leipzig (Bd. 1-2. Reise um die Welt; Bd. 3. Lieder und lyrisch-epische Gedichte; Bd. 4. Sonette und Terzinen. Uebersetzungen. Adelbert’s Fabel. Peter Schlemihl; Bd. 5-6. Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso) heraus.

1838
Hitzig trat publizistisch durch Veröffentlichungen in der Staatszeitung, der Haude-Spenerschen Zeitung und im Gesellschafter und durch die Artikel Ueber belletristische Schriftstellerei als Lebensberuf, In Sachen des deutschen Journalismus, Von den durch Nachdruck verübten Unbilden der Journalen hervor und löste damit eine Diskussion um den Zustand des „literarischen Deutschland“ aus. Daneben verfasste er einen Kommentar zu dem Königlich Preußischen Gesetz vom 11. Juni 1837 zum Schutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und der Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung. Im Anschluss daran wurde er zum Vorsitzenden des Literarischen Sachverständigenvereins für die Preußischen Staaten ernannt.

1839-1843
übernahm Hitzig die Herausgabe der Allgemeinen Buchhändlerzeitung im J.J. Weber Verlag und benannte sie in Allgemeine Presszeitung um.

ab 1842
gab er zusammen mit seinem früheren Referendar am Kammergericht Wilhelm Häring (Willibald Alexis) die äußerst erfolgreiche Sammlung Der neue Pitaval. Eine Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit bei Brockhaus, Leipzig heraus. (Herausgabe später übernommen von Willibald Alexis / Anton Voller - bis 1890, 60 Bde)

1844-1845
wurde Hitzig wegen Beleidigung des Gerichts angeklagt, nachdem er das Urteil in der Paulus-Schellingschen-Sache (unautorisierte Veröffentlichung von Vorlesungsmitschriften) öffentlich für falsch erklärt hatte. Er veröffentlichte in vier Heften die Vollständigen Acten in der wider mich auf Denunciation des Criminalgerichts zu Berlin eingeleiteten fiscalischen Untersuchung wegen angeblicher Beleidigung dieses Gerichts durch öffentliche Kritik einer von ihm in der Schelling-Paulus’schen Angelegenheit erlassenen Verfügung in Leipzig und wurde schließlich in letzter Instanz freigesprochen.

1848
schrieb Hitzig eine Biographie seines Freundes Fouqué, die mit einem Vorwort und biographischen Notizen von Dr. H. Kletke in dem Band Briefe an Friedrich Baron de la Motte Fouqué, herausgegeben von Albertine Baronin de la Motte Fouqué, in Berlin erschien.

1849
Julius Eduard Hitzig starb am 26. November in Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.

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